Budget-Streit um Unis

Rektoren drohen nun sogar mit Knock-out-Prüfungen

Innenpolitik
22.05.2026 15:00

„Ich hoffe, dass der Bund sich besinnt“, warnt Peter Riedler, Rektor der Uni Graz. Denn sonst würde an den Unis das Geld knapp werden und es drohe Ungemach wie Knock-out-Prüfungen. Tatsächlich wird das Uni-Budget nach besonderer Erhöhung in der Vorperiode jetzt auf Normal-Niveau gebracht.

Nach den Pensionisten sind jetzt die Unis dran. Auch auf den Hochschulen fallen die Steigerungen nicht mehr so üppig aus wie bisher. Proteste sind daher vorprogrammiert. Bis 2027 ist das vereinbarte Uni-Budget aber gesichert, erst ab 2028 wird es weniger Mittel geben. Die Einsparungen erfolgen auf sehr hohem Niveau.

„Die Qualität von Studium und Lehre, so wie sie derzeit angeboten wird, gerät ernsthaft in Gefahr“, warnt dennoch Rupert Sausgruber, Rektor der Wirtschaftsuniversität Wien.

Das Uni-Budget

  • Der Bund denkt ein Budget von 15,5 Milliarden Euro für die Periode 2028-2030 an.
  • Die Unis würden allerdings laut der Universitätenkonferenz (uniko) schon 18 Milliarden brauchen, allein um den aktuellen Betrieb aufrechtzuerhalten.
  • Für die laufende Leistungsverinbarungsperiode (2025-2027) haben die Unis 16,5 Milliarden Euro bekommen.

Das geplante Uni-Budget hätte dramatische Auswirkungen, laut der Universitätenkonferenz wäre gar jeder fünfte Arbeitsplatz in den Unis gefährdet. „Stellen würden nicht nachbesetzt werden können, aber darüber hinaus müsste man wohl auch Personal kündigen“, befürchtet auch Stefan Koch, Rektor der Johannes Kepler Universität Linz. 

Eine Budget-Kürzung hätte „schwere Folgen“, befürchtet man an der Uni Wien.
Eine Budget-Kürzung hätte „schwere Folgen“, befürchtet man an der Uni Wien.(Bild: APA/ROLAND SCHLAGER)

Rückkehr zu Knock-out-Prüfungen
Leiden müssten darunter die Studierenden, weil das Angebot an Lehrveranstaltungen zusammenschrumpfen würde. An der Wirtschaftsuni müsste man dann wieder auf die gefürchteten Knock-out-Prüfungen zurückgreifen, sagt Rektor Sausgruber.

In manchen Studiengängen könnten aber auch einfach mehr Studierende in einer Lehrveranstaltung sitzen, bei Kursen in Labors ist das aber nicht so einfach – die Räume haben nur gewisse Kapazitäten. Für die Studierenden heißt das: Sie müssten wahrscheinlich länger auf einen Platz in diesen Kursen warten, wodurch sich das Studium verlängern würde, meint Uni-Graz-Rektor Riedler.

Das Balkendiagramm zeigt die Entwicklung des Uni-Budgets in Österreich von 2010 bis 2030. Der Wert steigt von 8,2 Milliarden Euro in 2010 bis 2012 auf rund 16 Milliarden Euro in 2025 bis 2027. Für 2028 bis 2030 ist ein geplanter Wert von 15,5 Milliarden Euro angegeben. Quelle: BMBWF.

„Schwere Folgen“ für Österreich
Die Studierenden würden aber auch länger an den Unis bleiben, weil es deutlich schwieriger wäre, einen Betreuer für die Abschlussarbeit zu finden. Dadurch kommen Fachkräfte erst später auf den Arbeitsmarkt, „die Österreich dringend braucht“, kritisiert die Universität Wien. Das hätte „schwere Folgen“ für Österreich als Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort.

Von Budget-Einbußen wären auch die Universitätskliniken Wien, Graz, Linz und Innsbruck betroffen. Die medizinische Versorgung würde einen „Kollaps“ erleiden, warnt die uniko. So leiste etwa das Universitätsklinikum AKH Wien „aktuell etwa ein Drittel der Versorgungsleistung in Wien.“

Gespräche laufen
Die Universitäten wissen, dass der Staat sparen muss, „die eigentliche Dramatik“, sei, dass Kürzungen gar so radikal ausfallen sollen, meint Riedler. Er hoffe, „dass der Bund sich besinnt“. Einen gewissen Verhandlungsspielraum dürfte es noch geben – die Gespräche mit dem Ministerium laufen, hieß es von den Universitäten.

Auch die Gewerkschaft des allgemeinen Universitätspersonals (BMFWF) und seine Dienststellen schlagen Alarm und befürchten die Gefährdung ihrer Arbeitsbedingungen, immerhin stellen sie „den Universitätsbetrieb täglich sicher“.

Anwesenheitspflicht für Demo pausiert
Für den 27. Mai haben die Universitäten gemeinsam mit der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH), Gewerkschaften und der Vertretung der Arbeitnehmer Demonstrationen angekündigt. An der Wirtschaftsuniversität gilt für die Studierenden in vielen Kursen Anwesenheitspflicht, doch für die Demo wird diese ausgesetzt – so empört ist man ...

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